Klinik für Allgemeine Augenheilkunde des Zentrums für Augenheilkunde der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
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Kinderaugenheilkunde und Schielbehandlung


Schielen - was ist das?

Schielen (Strabismus) nennt man eine ständige oder immer wieder auftretende Fehlstellung der Augen, d.h. beide Augen schauen nicht in die gleiche Richtung (Häufigkeit in der Bevölkerung bis 4%).

Schielen ist nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern oft mit einer schweren Sehbehinderung verbunden. Schielende Babys und Kleinkinder bedürfen einer möglichst frühzeitigen Therapie. Denn je früher eine Therapie einsetzt, desto erfolgreicher und desto weniger belastend ist sie für das Kind.

Auf dieser Seite finden Sie eine ganze Reihe von Informationen zum Thema Schielen:


Ursachen des Schielens

Schielen kann viele Ursachen haben.

  • familiäre Vorbelastung (Vorsicht ist geboten bei Schielen eines Elternteils oder Behandlung wegen Schielens)
  • Risikofaktoren während der Schwangerschaft und Geburt
  • organische Augenveränderungen, wie z.B. Linsentrübung oder Verletzung, selten: Tumore im Auge
  • Fehlen der notwendigen Brille (angeborene hohe u/o seitenbezogen ungleiche Brechungsfehler)
  • allgemeine Schwächung des  Körpers (z.B. durch Infektionskrankheiten, Kinderkrankheiten mit hohem Fieber, Unfälle, schwere seelische Krisen)

Das kindliche Schielen kann bereits kurz nach der Geburt auffällig werden, aber auch erst im Laufe der ersten Lebensjahre auftreten. Jedes plötzliche Schielen im Kindesalter bedarf einer sofortigen augenärztlich-orthoptischen Untersuchung, die auch über die Notwendigkeit einer kinderärztlich-neurologischen Abklärung entscheiden muss. Nur während der ersten 4 Lebensmonate ist gelegentliches „Babyschielen“ unbedenklich.

Plötzliches Schielen bei Erwachsenen, häufig begleitet von Doppelbildern, entsteht z.B. durch Augenmuskellähmungen oder die Manifestation eines vorbestehenden verborgenen Schielens (Heterophorie).

Auch die Zahl der Patienten mit belastungsabhängigen Störungen im beidäugigen Sehen nimmt zu. Dies ist oft auf die wachsenden Anforderungen an das Sehen zurückzuführen (z.B. in der Schule oder bei der Arbeit am Bildschirm). Diese Störungen können sich z.B. durch Kopfschmerzen, Lesestörungen, schnelles Ermüden der Augen, Konzentrationsschwäche usw. bemerkbar machen.


Schielformen

Beim Schielen weicht ein Auge von der Blickrichtung des anderen ab. Ist eine Fehlstellung dauerhaft vorhanden, spricht man von einem manifesten Schielen. Das schielende Auge kann in die verschiedenen Richtungen vom nicht-schielenden Auge abweichen:

  • Einwärtsschielen
  • Auswärtsschielen
  • Höhenschielen
  • Verrollungsschielen

Hier finden Sie weitere Informationen: www.augeninfo.de/patinfo/strab.pdf

Zum manifesten Schielen zählt auch der sog. Mikrostrabismus. Beim Mikrostrabismus ist die Abweichung so gering (weniger als 5°), dass sie selbst von aufmerksamen Eltern nicht entdeckt werden kann. Die Sehschärfe des schielenden Auges ist häufig besonders reduziert, da das Schielen aufgrund seiner Unauffälligkeit nicht oder sehr spät entdeckt wird.

Eine Sonderform des manifesten Schielens stellt das meist nach außen gerichtete, nur phasenweise auftretende (intermittierende) Schielen dar. 

Bei über 70% aller Menschen besteht ein latentes Schielen (Heterophorie). Dieses verursacht in den meisten Fällen keinerlei Beschwerden. Jedoch gibt es Patienten, die aufgrund ihrer Heterophorie unter Müdigkeit, Spannungsgefühl, Kopfschmerzen und Leseunlust leiden (Asthenopie).


Alarmzeichen

  • Schielen
  • Augenzittern
  • Schiefhalten des Kopfes
  • Vorbeigreifen
  • Ungeschicklichkeit (Stolpern, Anstoßen)
  • Häufiges Blinzeln, Zwinkern oder Zukneifen eines Auges
  • Unlust am Lesen, Lesestörungen
  • Dichtes Herangehen an den Text
  • Konzentrationsprobleme
  • Doppelbilder, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Verschwommensehen
  • Lichtempfindlichkeit

Mögliche Folgen des Schielens

Wird das kindliche Schielen nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so können weitere Störungen entstehen:

  • Sehschwäche (Amblyopie) = herabgesetzte Sehschärfe durch mangelnden Gebrauch oder Nicht-Gebrauch eines organisch gesunden Auges (Häufigkeit: bis 4% der Bevölkerung). Eine Amblyopie kann auch ohne Schielen durch das Fehlen einer passenden Brille verursacht werden. Wird die Sehschwäche nicht frühzeitig diagnostiziert und therapiert, so bleibt sie ein Leben lang bestehen.
  • Störung oder Verlust des beidäugigen (räumlichen) Sehens
  • Beeinträchtigung durch das Aussehen und Auffälligkeiten im Verhalten.

Eine Amblyopie kann zur Folge haben:

  • Einengung bei der Berufswahl
  • Einschränkungen beim Führerschein
  • Bei einem Verlust des besseren Auges durch Unfall oder Krankheit droht schwere Sehbehinderung und Erwerbsunfähigkeit

Im Rahmen unserer Abteilung arbeitet mit den Schwerpunkten Amblyopie und Amblyopietherapie die Forschungseinheit „Sehstörungen des Kindesalters“ (Leitung: Dr. med. Maria Fronius).


Behandlung des Schielens

  1. Versorgung des Patienten mit den optimalen Brillengläsern:
    Regelmäßiges Tragen verkleinert häufig schon den Schielwinkel.
  2. Behandlung der Amblyopie:
    Hierfür wird überwiegend die Okklusionstherapie, d.h. Abdecken des besser sehenden (= nicht-schielenden) Auges mittels Augenpflaster zur Aktivierung des schwächeren Auges angewandt. Falls diese Methode für eine Behandlung nicht in Frage kommt (z.B. Hautunverträglichkeiten), so stehen eventuell weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
  3. Beseitigung der Schielstellung durch eine Augenmuskel-Operation: Bei bestimmten Schielformen sowie bei auffällig großen Schielwinkeln kann zusätzlich eine Augenmuskel-OP erforderlich sein. Der ideale Zeitpunkt muss nach möglichst frühzeitiger Diagnostik für jedes Kind individuell festgelegt werden. Die Orthoptistin führt die für die Operation notwendigen Untersuchungen sowie die Vor- und Nachbehandlungen durch. Jedoch sind auch nach einer OP regelmäßige Kontrollen erforderlich. 

Hier finden Sie weitere Informationen: www.augenstern-ev.de


Weitere Informationen und Terminvergabe

Kinderaugenheilkunde und Schielbehandlung

Telefon
069 6301 5721 (Frau Stäter)

Telefax
069 6301 7795


Weitere Informationen zum Thema Schielen finden Sie auch unter: www.kinderwelten.de/information/rundumsbaby/schielen/index.html


 
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